Die FDP und der Missbrauch der NS-Opfer für parteipolitische Zwecke

FDP kritisiert Gedenken an Opfer der Shoah in Rostock als „linkspazifistisch“. Die Organisatoren des Gedenkens zeigen sich verständnislos. Ehemaliger Rechter gibt FDP Schützenhilfe.
Von Mirian Bauer

Seit einiger Zeit hat mensch von der FDP nichts mehr gehört. Bei den Landtagswahlen im September 2011 verpasste sie in MV sogar die Fünf-Prozent Hürde und flog aus dem Landtag. Bundesweit liegt die neoliberale Partei bei gerade einmal zwei Prozent, in Berlin erlangte sie 2011 bei den Wahlen sogar nur 1,8 Prozent. Auch die Mitglieder laufen der FDP weg: Mitgliederschwund ist neben ausbleibenden Wahlerfolgen das größte Problem der Partei. Außer tausenden einfachen Mitgliedern wendeten in der Vergangenheit auch Spitzenpolitiker, wie Horst Krumpen, der FDP den Rücken zu. Alles in allem ist die Lage der FDP mit „desolat“ sehr wohlwollend umschrieben.

Doch kampflos will die Mövenpick-Partei nicht aufgeben. Am 27. Januar fanden überall in Mecklenburg-Vorpommern Mahn- und Gedenkveranstaltungen zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz statt. Seit 1996 ist dieser Tag in der Bundesrepublik ein Gedenktag, die Fahnen werden an öffentlichen Gebäuden auf Halbmast gesetzt. Auch in Rostock wurde wieder eine Veranstaltung – wie jedes Jahr organisiert von der VVN-BdA Rostock – durchgeführt. Doch was hat das alles mit der FDP zu tun? Der Rostocker Ortsverband der FDP gab zwei Tage vor dem jährlichem Gedenken eine Pressemitteilung heraus, indem sie die VVN-BdA scharf kritisierte. Aus ihrer Sicht missbrauche die VVN-BdA das Gedenken für „linkspazifistische Zwecke“. Die Losung „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“ sei in Bezug auf aktuelle Kriege nicht akzeptabel. Dass Frieden für die „Liberalen“ wirklich inakzeptabel ist, zeigte sich in der Vergangenheit in ihrem Abstimmungsverhalten im deutschen Bundestag: Sie hat unter anderem für den Afghanistan-Krieg unter Rot-Grün gestimmt und verlängert ihn bei jeder Abstimmung im Bundestag bereitwillig mit.


Bild: Die Pressemitteilung der FDP auf Papier

Ehemaliger Rechter steht FDP bei.
Auch der Vorsitzende der Hochschulgruppe der „Deutsch-Israelischen Gesellschaft“ an der Rostocker Universität, Daniel Leonard Schikora, hält die Ablehnung jedes Krieges für „kritikwürdig“. Kritikwürdig an Schikora selbst ist auch, dass er in der Vergangenheit für rechtskonservative Blätter wie der Blauen Narzisse geschrieben hat. Auf Ratschläge eines ehemaligen Rechtspopulisten, wenn nicht sogar Rechtsradikalen, wird der Verband, der ursprünglich aus den Überlebenden der KZs und der antifaschistischen Widerstandsbewegung gegründet wurde, sicher viel Wert legen. Schikora unterhält indes enge Kontakte zur FDP in Rostock, sein Statement in dieser Sache dürfte also abgesprochen sein.

Lehren aus der Vergangenheit ziehen.
Die selbst VVN-BdA ist mit über 7.000 Mitgliedern die größte antifaschistische Organisation in der Bundesrepublik mit internationalen Kontakten. Sie versteht sich als unideoloogisch und überparteilich. Richtig ist zwar, dass vor allem Politiker_Innen der Partei DIE LINKE zu den Veranstaltungen der VVN-BdA Rostock kommen. Dennoch würden, wie jedes Jahr „alle Parteien eingeladen“, so der Geschäftsführer der VVN-BdA Rostock gegenüber der NNN. Auch zeigte er sich verständnislos, dass die FDP sich nicht direkt an den Verband gewendet hatte. Eva Maria Kröger, Vorsitzende der Linksfraktion in der Rostocker Bürgerschaft und Mitglied in der VVN-BdA, erwiderte auf den skurril anmutenden Vorstoß der FDP: „Natürlich beziehen wir uns auf aktuelle Kriege – durch sie sterben noch heute überall auf der Welt Menschen.“ In den vergangenen Jahren sprachen neben Gewerkschaftsvertreter_Innen auch die Vorsitzende der Rostocker Bürgerschaft – Karina Jens (CDU) – zu Gedenkveranstaltungen. Eine „Linkenlastigkeit“ ist also nur schwerlich herbei zufabulieren.


Bild: Die NNN widmete der FDP fast eine ganze Seite. Über das Gedenken selbst wird sonst nur marginal berichtet.

Jüdische Gemeinde sieht keine „Vereinnahmung“ des Gedenkens.
Selbst der Vorsitzende der jüdische Gemeinde in Rostock, Juri Rosov, brachte sein Unverständnis zum Ausdruck, wünschte sich aber die Teilnahme mehr „demokratischer“ Parteien an den Gedenken. Zwar würde Rosov es befürworten, wenn die Stadt die jährlichen Gedenkveranstaltungen ausrichtete, doch wie viel Verlass ist schon auf einen Staat, dessen Wurzeln ganz klar in der NS-Zeit liegen. Die Bundeswehr wurde unter anderem von Albert Kesselring und Erich von Manstein – zwei bedeutenden Generalen der Nazi-Wehrmacht – aufgebaut. Der Verfassungsschutz, der heute noch die neofaschistische Szene mit Hilfe des V-Leute Systems mit Geld geradezu überhäuft, entstand aus der Organisation Gehlen, einer Truppe die nach dem Zweiten Weltkrieg gezielt SS-Kader und andere „ehemalige“ Neonazis um sich sammelte, um gegen die vermeintlich kommunistische Sowjetunion zu agieren. Das Justizsystem der BRD wurde zu großen Stücken von Richtern aufgebaut, die schon im Dritten Reich Karriere gemacht hatten. Auch Minister und sogar Bundeskanzler der BRD hatten nicht immer eine weiße Weste. Kurt Kiesinger (CDU), war bis 1945 ranghohes NSDAP-Mitglied der NSDAP.

Wer missbraucht die Opfer?
Die FDP greift scheinbar nach jedem Strohhalm, um irgendwie in die Meiden zukommen, als wollte sie schreien „ Wir sind noch da“. Sie wirft der VVN-BdA vor, „Politik zu machen“ und wirft dem Verband vor, die Opfer des Shoah zu instrumentalisieren., doch tatsächlich missbraucht die FDP mit ihrem widerwärtigen Vorstoß Millionen Tote. Trotz Einladung aller Parteien, also auch der FDP, kam außer ein einsamer neoliberaler Trottel niemand zur Gedenkveranstaltung in Rostock am Rosengarten. Wenigstens hatte es Schikora geschafft, sich verstohlen an den Rand der Veranstaltung zu stellen.


Bild: Das Gedenken an die Opfer des Holucausts in Rostock 2012.

Die Forderung „Nie wieder Krieg!“ entstammt aus dem Schwur von Buchenwald, den die überlebenden Häftlinge des Konzentrationslager Buchenwald am 19. April 1945 feierlich auf dem ehemaligen Appellplatz des KZ Buchenwald schworen. Diese Menschen haben die Barbarei des Krieges selbst miterlebt und wussten wie grausam und unnötig Kriege sind. Niemand von der Rostocker FDP oder der Israelisch-Deutschen Gesellschaft musste jemals die Leiden eines Krieges selbst miterleben. Sie sahen das Unheil – wenn sie es sehen wollten – nur im Fernsehen und konnten wegschalten, wenn es ihnen beim Abendessen zu blutig wurde. Der pazifistische Anspruch, den die VVN-BdA als Organisator der jährlichen Gedenken in Rostock hat, entstammt den direkten Erfahrungen der Gründer_Innen der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes. Diesen Anspruch untergraben zu wollen, verhöhnt die Opfer der historischen Nazis und öffnet Neofaschist_Innen Tür und Tor für ihre völkisch-rassistischen Ideologie. Seit 1990 sind fast 200 Menschen von Neonazis in Deutschland ermordet worden.

25.01. – Solidemo wegen Buttersäureanschlag auf das AWIRO e.V. in Rostock

Gedenken in Gadebusch

Heute, am Holocaust Gedenktag, fand auch in Gadebusch eine Veranstaltung statt. Am Ehrendenkmal
für die Opfer des Faschismus legten Gadebuscher BürgerInnen, unter anderen auch Mitglieder der SDAJ Gadebusch, Kränze und Blumen nieder. Landtagsabgeordnete Simone Oldenburg von der Linkspartei hielt einen Redebeitrag, in dem sie unter anderen auf ein von ein von Nazis errichtetes Denkmal aufmerksam machte. Ende letzen Jahres wurde eine kleine Plakette in der Nähe des sowjetischen Ehrendenkmal angebracht, welches den ehemalige Gauleiter und verurteilten Kriegsverbrecher Friedrich Hildebrandt ehrt. Sie kritisierte ebenso, dass die Stadt es zwar entfernen lies, aber von einer rechten Struktur in Gadebusch nichts wissen will. Und das obwohl dies kein Einzelfall ist, sondern viel mehr in einer Reihe von rechten Übergriffen steht.
Für uns ist ein Gedenken auch nach 67 Jahren immer noch wichtig. Denn wir, die Jugend, müssen dafür sorge trage, dass sich solch menschenverachtene Geschehnisse nicht wiederholen.

Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!

Übernommen mit freundlicher Genehmigung der SDAJ Gadebusch.

Den Opfern der Shoah gedenken heißt: NPD verbieten! – Der Holocaustgedenktag 2012 in Rostock

Wie jedes Jahr rief auch diesmal die VVN-BdA Rostock zu einer Mahn-, Erinnerungs- und Gedenkveranstaltung am Rosengarten auf. Etwa 100 Menschen hatten sich auf den Weg gemacht, den Opfern des Holocausts in Rostock zu gedenken.

Es war kalt, doch nicht kälter als die letzten Jahre um diese Zeit. Um 10Uhr sollte das Gedenken an die millionen Opfer der faschistischen Terrorherrschaft beginnen, doch schon eine halbe Stunde vorher kamen die ersten Menschen und versammelten sich langsam um das Mahnmal am Rosengarten. Nach und nach kamen mehr hinzu. Die Ersten begrüßten sich, Unterhaltungen kamen zu Stande.
Zum Diskutieren gibt es viel Anlass, erst vor wenigen Tagen wurde ein antifaschistisches Wohnprojekt mit Buttersäure angegriffen. Noch am Mittwoch hatte es dazu eine Solidaritätsdemo durch die Innenstadt mit über 400 Teilnehmer_Innen gegeben, auch darüber wurde gesprochen.

Die Mischung der Anwesenden konnte kaum bunter sein: ältere Menschen standen zusammen mit alternativen Jugendlichen, neben Mitgliedern des Landtages und Student_Innen. Dr. Ait Stapelfeld von der SPD unterhielt sich mit Kreisgeschäftsführer der LINKEN, junge Gewerkschaftler_Innen warteten gemeinsam mit Aktivist_Innen der Junge Liberalen gespannt auf den Beginn der Veranstaltung. Mitglieder der Rostocker Bürgerschaft und des Landtages, wie Dr. Hikmat Al-Sabty und Eva-Maria Kröger (beide DIE LINKE) waren ebenfalls erschienen.


Bild: Dr. Axel Holz während seiner Rede.


Bild: Prof. Dr. Wolfgang Methling (l.), Kerstin Liebich (m.) und Dr. Ait Stapelfeld (r.) legen Blumen und Kränze am Mahnmal für die Opfer des Faschismus nieder.

Pünktlich um 10Uhr eröffnete Marie-Louise Hänsel, stellvertretende Vorsitzende der Rostocker VVN-BdA, die Veranstaltung. Sie betonte in ihrer Einführung die Notwendigkeit, Gedenktage wie den 27. Januar, auch in Zukunft würdig zu begehen. „Wir müssen die Erfahrungen weitergeben, damit sie nicht vergessen werden.“ sagte sie. Anschließend sagte Ver.di Bezirkschef Peter Geitmann einige Worte. Schließlich übergab Frau Hänsel das Wort an Dr. Axel Holz, Vorsitzendem der VVN-BdA MV. Er äußerte sich unter anderem kritisch über die Diffamierung des Ausstellung „Neofaschismus in Deutschland“ der VVN-BdA. Auch die Gleichsetzung von neonazistischem Terror und antifaschistischen Widerstand sprach er an. „Die Diskreditierung antifaschistischen Engagements muss aufhören.“ sagte er zum Ende seiner Rede. Auch machte er auf die neue Kampagne „NPD-Verbot: Jetzt aber richtig!“ aufmerksam und forderte Alle dazu auf, den Aufruf zu unterzeichnen. Anschließend gab Frau Hänsel allen Anwesenden die Möglichkeit, Blumen und Gebinde niederzulegen.


Bild: Das Mahnmal nach dem Ende der Veranstaltung

Allen, die gekommen waren um den Opfern der Shoah zu gedenken, sei hiermit herzlich für ihr Erscheinen gedankt.

leftvision: Dresden Nazifrei 2012!

Nach Buttersäureangriff – knapp 400 auf Antifademo

Knapp 400 Leute versammelten sich heute zunächst am Universitätsplatz in der Rostocker Innenstadt. Nach zwei Redebeiträgen, die den Buttersäureanschlag vom Montag und darüber hinaus die andauernde Nazigewalt in MV thematisierten, ging es gemeinsam Richtung Kröpeliner Tor Vorstadt (KTV). Bei der Doberaner Straße / Ecke Budapester Straße wurde eine Zwischenkundgebung abgehalten, in der auf den ehemaligen Naziladen East Coast Corner eingegangen wurde und an die produktive Zusammenarbeit aller Anwohner_innen des Viertels gegen die Nazis erinnerte. So hieß es in einem Redebeitrag, dass sich die Anwohner von all den martialischen Gesten und Drohungen der Nazis damals nicht einschüchtern ließen. Auf die Eröffnung des Ladens folgte eine intensive Welle des Protests, die durch eine seltene Vielfalt der Mittel gekennzeichnet war. Kreative Aktionen, breit angelegte Demonstrationen, spontane Wutausbrüche und zahlreiche Demontageversuche waren die Folge. Ob autonomer Antifaschist, Fußballfan oder Studentin, das Viertel war sich einig.

Danach setzte sich die Demonstration wieder in Bewegung und passierte eine ganze Reihe der Kneipen, die diesen Stadtteil und seine Menschen ausmachen. Neben eugierigen und einigen skeptischen gab es viele zustimmende Reaktionen. Insgesamt war sehr auffällig, dass die Demonstration auch über das typische Antifaspektrum hinausreichte, was auch für die außerordentlich hohe Teilnehmerzahl verantwortlich sein dürfte. Vor allem mit Blick auf die kurze Mobilisierungszeit kann von einem Erfolg gesprochen werden.

Vom Margarethenplatz im Herzen der Kröpeliner Tor Vorstadt zog die Demo zur Niklotstraße, in der in der Nacht zum Montag der Buttersäure-Anschlag stattgefunden hatte. Doch der „Awiro e.V.” ist nicht der einzige selbstverwaltete und explizit antifaschistische Freiraum in Mecklenburg-Vorpommern, der von Neonazis bedroht und attackiert wird. Dem „Tikozigalpa”, einem alternativen Freiraum in Wismar, wurden im Jahr 2011 mehrfach die Scheiben eingeschmissen. Dabei hinterließen die Täter auch Hakenkreuzschmiererein.Ebenso das „Jugend rockt für Toleranz”-Festival in Nordwestmecklenburg wurde 2011 von Neonazis gestört, die mehrere Besucher der Veranstaltung angriffen und verletzten. In der Hansestadt Greifswald ist es im vergangenen Jahr mehrfach zu neonazistischen Angriffen gekommen. Im Vorfeld des NPD-Aufmarsches am ersten Mai in der Hansestadt am Ryck brachen Neonazis eine regelrechte Orgie der Gewalt vom Zaun. Sie griffen antifaschistisch engagierte Gewerkschaftsjugendliche, die Flyer gegen den Aufmarsch verteilten, körperlich an und jagten offensichtlich nicht-rechte Personen durch die Neubauviertel. Höhepunkt der Gewalttätigkeiten waren Brandanschläge auf alternative Einrichtungen. So zündeten sie im Hof des „Internationalen Kultur- und Wohnprojektes” „IkuWo” ein Privatfahrzeug an. Zufällig bemerkte ein Bewohner des Hauses das Feuer und konnte somit ein Übergreifen auf ein ebenfalls bewohntes Gebäude verhindern. In der selben Nacht entzündeten Neonazis ein Feuer in der Scheune eines Wagenplatzes in der Nähe von Greifswald.

In der Niklotstraße endete die Demo mit einer Abschluss-Kundgebung. Dort gab es auch – beinah standesgemäß – ein ordentliches Feuerwerk. Die Projekthäuser in der Straße waren in den Medien in den letzten Tagen wahlweise zum Antifahaus oder zur Antifazentrale geadelt worden. Antifa – das ist aber keine Organisation mit Vereinschef und Bürokomplex. Antifa das ist nicht nur, wenn ich sage „Diesen oder jenen Nazimist will ich nicht hören”, sondern wenn man gemeinsam mit anderen dafür sorgt, dass rechte Gewalt keine Chance mehr hat. Das haben die Bewohnerinnen und Bewohner des Stadteils heute einmal mehr gezeigt.

Quelle: www.kombinat-fortschritt.com nach CC3.0 Lizenz

MV Nazifrei: Info-Veranstaltung „Sachsen dreht frei?“

Die Meldungen aus Sachsen aus 2011 wirkten für alle, die nicht dort wohnen, ein bisschen, als kämen sie von einem sehr weit entfernten Stern. In regelmäßigen Abständen wurden Dinge bekannt, die jeweils einzeln früher zum Rücktritt von Ministern geführt hätten.

Funkzellenabfrage, §129-Verfahren, die Durchsuchung eines Pfarrers, Aberkennung der Immunität eines Fraktionsvorsitzenden wegen Rädelführerschaft: umfassende Kriminalisierung von Protesten gegen Nazis, und zwar weit bis in die „Mitte der Gesellschaft“. Offline-Überwachung und -Drangsalierung sind in Sachsen Alltag.

Der Beitrag von Anne Roth (beim 28. Chaos Communication Congress) gibt einen Überblick über den Stand der Dinge und warnt davor, sich (außerhalb Sachsens) gemütlich schaudernd zurückzulehnen. Denn: Wenn Sachsen damit durchkommt, setzt das Maßstäbe für andere Bundesländer.

Es wird ein Mitschnitt gezeigt und Infos zum geplanten Naziaufmarsch in Dresden 2012 gegeben.

Donnerstag 26. Jan | 19:30Uhr | Peter Weiss Haus
Doberanerstr. 21 | Rostock

Quelle: mvnazifrei.blogsport.de

Das Viertel ist sich einig… zusammen gegen Nazigewalt!

Als Reaktion auf den Buttersäure-Anschlag auf die Häuser des Awiro e.V. wird es am 25.01. eine Demonstration durch die Innenstadt geben.

Die Täter verschütteten vor den Hauseingängen der Projekthäuser und vor dem Eingang des Cafes “Median” Buttersäure. Es ist offensichtlich, dass dieser Anschlag durch Neonazis verübt worden ist. Bereits zahlreiche Anfragen des NPD-Abgeordneten David Petereit in der Rostocker Bürgerschaft sowie diverse Hetzartikel auf einschlägigen Internetseiten zeigen das herausstechende Interesse der Neonazis für das Hausprojekt.

Wir werden den Anschlag auf unseren Freiraum nicht unbeantwortet lassen. Wir werden neonazistische Gewalt niemals ignorieren oder sogar akzeptieren. Die Rostocker Innenstadt ist den Nazis schon lange ein Dorn im Auge, denn hier konnten sie noch nie Fuss fassen. Der alternative Charakter Rostocks ist auch das Ergebnis eines jahrzehntelangen Kampfes um alternative Freiräume. Diese müssen immer wieder neu erkämpft und verteidigt werden! Wir lassen sie uns von Nazis nicht kaputt machen! Dass Neonazis hier keinen Platz haben, zeigten bereits die vielfältigen, breiten und erfolgreichen Proteste gegen den ehemaligen Naziladen „East Coast Corner“ in der Doberaner Straße.

Beteiligt euch an der Demonstration und solidarisiert euch mit allen Betroffenen rechter Gewalt. Zeigen wir den Neonazis und ihren SympathisantInnen, dass das Viertel sich einig ist und keine rechte Gewalt oder Strukturen duldet!

Treffpunkt: 25.01., 18 Uhr, Universitätsplatz, Rostock

Quelle: awiro.blogsport.de

AWIRO e.V. mit Buttersäure attackiert

In der Nacht vom 22. auf den 23. Februar kam es in Rostock zu einem Buttersäureanschlag auf die Häuser des AWIRO e.V. in der Niklotstraße 5 und 6. Am frühen morgen bemerkte ein Bewohner den stechenden Geruch und alarmierte die Feuerwehr. Trotz des Einsatzes von hochgiftiger Buttersäure wurde niemand verletzt.

Das Alternative Wohnen in Rostock (nicht „Antifaschistisches Wohnen in Rostock“, liebe Jana Grizelski) bietet seit Jahren Jugendlichen die Möglichkeit, selbstbestimmt und verantwortungsvoll ihre Freizeit zu gestalten. Mehrere Proberäume und Werkstätten bieten neben dem Café Median, dem Infoladen Flüstern und Schreien (nicht „Zeitraffer“, Jana) zusätzliche Freizeitangebote.

Bewohnerinnen und Bewohner der Häuser vermuten einen politischen Hintergrund der Tat. Bereits in der Vergangenheit hatte es Anschlagsversuche durch Neonazis gegeben, bei denen mehrfach Kürzel und Bekennerschreiben der Rostocker Kameradschaft „Nationale Sozialisten Rostock“ (NSR) hinterlassen wurden.
Der jüngste Angriff auf eines der wenigen antifaschistischen Jugendzentren in MV lässt auf einen politischen Angriff von Neonazis schließen.Schon in der Vergangenheit wurden das AWIRO von Neofaschist_Innen angegriffen. Direkt neben dem AWIRO befindet sich ein Kindergarten, was die Skrupellosigkeit der Angreifer noch weiter unterstreicht.

Zur Presseerklärung des AWIRO e.V. geht es hier lang.

Termine zum Holocaust-Gedenktag 2012 in MV

Am 27. Januar wird in ganz Deutschland den Opfern des Nationalsozialismus gedacht. Auch in Mecklenburg-Vorpommern werden mehrere Veranstaltungen stattfinden. Hier bekommt ihr einen Überblick.

In Rostock findet ab 10Uhr am Mahnmal für die Opfer des Faschismus am Rosengarten die traditionelle Gedenkkundgebung statt. Als Redner wird unter anderem Dr. Axel Holz, Landesvorsitzender der VVN-BdA MV, auftreten. Zum Ende des Gedenkens wird es die Möglichkeit geben, Blumen und Gebinde niederzulegen.

Der Schweriner Landtag beginnt um 11Uhr im Festsaal des Schweriner Schlosses mit einer Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslager Auschwitz. Die Veranstaltung wird voraussichtlich um 13Uhr beendet sein.
Um 15Uhr wird die instandgesetzte Litfaßsäule vor dem Postgebäude in der Mecklenburgstraße enthüllt. Aus aktuellem Anlass werden Bilder der Opfer der Zwickauer Terrorzelle gezeigt. Die Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (DIE LINKE) wird ebenfalls erwartet.

Um 14Uhr wird im Barther Kulturhaus „HdW“ (Bahnhofsstraße2) die Ausstellung „Neofaschismus in Deutschland“ der VVN-BdA eröffnet. Die Ausstellung wird jeweils Montags bis Freitags von 10-18Uhr bis zum 24. Februar geöffnet sein.

Auch in Crivitz wird die Neofaschismus-Ausstellung gezeigt. Die Landtagsabgeordnete Barbara Borchardt (DIE LINKE) stellt die Ausstellung in ihrem Wahlkreisbüro (Große Straße 5-7) jeweils Montags – Freitags von 9-16Uhr aus. Die Ausstellung ist dort ebenfalls bis zum 24. Februar zusehen.

Neofaschist_Innen ist der Zutritt zu allen Veranstaltungen untersagt.

Übernommen mit freundlicher Genehmigung der VVN-BdA MV BO Jugend.


Bild: Screenshot boju.blogsport.de

Antifa-Demo am 4.2.2012 in Velbert

Literaturtipp: „Gedenken am 27. Januar – Ein Tag zum nachdenken, Weiterdenken und Handeln“

Das von der VVN-BdA heraus gegebene 66 seitige Heft befasst sich mit den Ursachen und der Wirkung des Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslager Auschwitz, in dem über eine Million Menschen von den Nazis ermordet wurden. Analysen zur aktuellen Bedeutung dieses mittler Weile zum Gedenktag erklärten Datums finden sich in der Broschüre genauso wieder, wie zeithistorische Dokumente. Neben der Rede Hilters vor dem Düsseldorfer Industrieclub enthält das Heft auch der Aufruf der KPD zum Generalstreik am 30. Januar 1933 sowie weitere historische Schriften. Im Vorwort der Broschüre heißt es:

„Seit 1996 ist der 27. Januar, der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die sowjetische Armee, offizieller Gedenktag in der Bundesrepublik Deutschland. […] „Es gibt nach wie vor mehrere Anlässe zum Gedenken und handeln im Sinne des Vermächtnisses ´Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!´. Die Ernsthaftigkeit dieses […] Gedenktages muss weiter unter Beweis gestellt werden.“

Das Heft könnt ihr im Online Shop der VVN-BdA für 1,99€ zzgl. Versandkosten bestellen.

„Wer des 27. Januar gedenkt, muss den 30. Januar mitdenken“
Ulrich Schneider

Antifa-Demo am 4. Februar 2012 in Velbert

Im kommenden Februar jährt sich zum 17. mal der Todestag Horst Pulter´s – am Sonntag, den 05.02.1995 wurde der damals 65-jährige Obdachlose im Velberter Herminghauspark von sieben Neonazis zunächst als »Penner« und »Scheißjude« verhöhnt, zusammengeschlagen und später getötet. Im dritten Jahr in Folge gedenken wir nun diesem Opfer rechter Gewalt und sozialer Ausgrenzung. Zwar erkennt der zuständige Staatsanwalt damals eine „rechtsradikale, menschenverachtende Gesinnung“ der Täter, doch Polizei und Politik verschweigen diese Tatsachen bis heute.

Dieses konsequente Leugnen von rechtsradikalen Strukturen in Velbert zieht sich bis heute wie ein roter Faden durch den lokalpolitischen Alltag. „Wir wollen die erfolgreiche Arbeit des Judoclubs nicht kaputt machen.“ So kommentiert die Velberter Politik es wenn öffentlich wird, dass der 2. Vorsitzende des lokalen Judovereins ein polizeibekanntes Mitglied der lokalen Neonaziszene ist. Ein Dezernent der Stadt glänzte erst kürzlich im Zusammenhang mit den katastrophalen Bedingungen im lokalen Asylbewerberheim mit einer zutiefst menschenverachtenden und rassistischen Stellungnahme in einem Interview mit Sat1.

Diese erschreckende Häufung nicht hinnehmbarer Vorkommnisse hat uns dazu veranlasst, die diesjährige Gedenkdemo zum Tod Horst Pulters auch dafür zu nutzen, die alltägliche, rassistische und menschenverachtende Politik der Stadt in den Fokus der Öffentlichkeit zu ziehen.

Am Samstag, den 4. Februar 2012 werden wir daher also unter dem Motto „Kein Vergeben, kein Vergessen“ im Gedenken an alle Opfer rechter Gewalt, sozialer Ausgrenzung und rassistischer Asylpolitik in Velbert demonstrieren.

Helft uns, ein klares antifaschistisches Zeichen in den braunen Alltagstrott zu setzen, denn es gibt kein ruhiges Hinterland. Wir haben Flyer, Plakate und Aufkleber drucken lassen, um auf dieses wichtige Anliegen aufmerksam zu machen. Das Mobimaterial ist bei uns anzufragen. Wir denken ihr habt Verständnis dafür dass wir nur solche Anfragen bearbeiten, die klar als ehrliche Anfragen zu identifizieren sind. Nutzt also bitte eure bekannten Mailadressen für Mobistuff-Anfragen, teilt unseren Aufruf und veröffentlicht ihn auch in euern Blogs und auf euern Internetseiten.

Ebenfalls ist unter www.roter-shop.de diverser Soli-Kram (T-Shirts, Kapuzis, Aufkleber, Buttons) zu bestellen, deren Einnahmen uns in unserer antifaschistischen Arbeit unterstützen würden.

Übernommen mit freundlicher Genehmigung der Antifaschistischen Aktion Velbert.


Bild: Screenshot antifavelbert.blogsport.de

Alle guten Dinge sind drei… auch in MV!

In den vergangenen zwei Jahren ist es zehntausenden engagierten Menschen gelungen, Europas ehemals größten Naziaufmarsch in Dresden zu blockieren. Auch dieses Jahr haben neofaschistische Gruppen mehrere Veranstaltungen im Februar angemeldet, um über die Bombardierung der deutschen Stadt Dresden zu „trauern“. Auch aus Mecklenburg-Vorpommern kamen Busse, um sich an den Massenblockaden zu beteiligen. Aktuelle Informationen zu Mobi-Veranstaltungen und Soli-Party, die Bus-Organisation und Hintergründe zu den Aufmärschen der radikalen Rechten findet ihr ab jetzt gebündelt unter mvnazifrei.blogsport.de.

Der 27. Januar – Der Holocaust-Gedenktag

Der Holocaust an den europäischen Juden während des Zweiten Weltkriegs durch die Nazis gehört bis heute zu den grauenhaftesten Verbrechen, die Menschen Menschen antuen konnten.

Der Ursprung
Ein engmaschiges Netz aus sogenannten Konzentrations- und Außenlagern besiedelte die im Zweiten Weltkrieg von Deutschen besetzten Ländern und das deutsche Kernland. Das bekannteste dieser Lager war und ist „Auschwitz-Birkenau“. Die nur wenige Kilometer vom KZ entfernt liegende polnische Stadt Auschwitz hieß eigentlich Oświęcim und wurde von den Nazis nach dessen Eroberung umbenannt. Der Name wurde zum Symbol der Shoa. Von etwa 6 Millionen ermordeten Jüdinnen und Juden wurden alleine dort etwa 1,1 Millionen Menschen von 1941 bis 1945 vergast, erschossen, tot gespritzt, durch medizinische Versuche zu Tode gequält oder auf andere perfide Weise umgebracht.


Bild: Sandsteinrelief des Bildhauers Jo Jastram in der KZ-Gedenkstätte Wöbbelin

Die Befreiung
Befreit wurde das Hauptlager erst am Vormittag des 27. Januar 1945 durch die 322. sowjetische Infanteriedivision der 60. Armee unter dem Oberbefehl von Generaloberst Pawel Alexejewitsch Kurotschkin. Trotz sofortiger medizinischer Hilfe, starben in den nächsten Tagen noch über 200 Menschen an den Folgen der barbarischen Behandlung durch die SS, die das Lager bis zur Befreiung bewacht hatte. Wenige Tage nach der Befreiung wurde der Öffentlichkeit das Grauen offenbart. Die Bilder von zehntausenden Schuhen und fast 7 Tonnen Menschenhaaren, sowie von den Toten, die abgemergelt zu Haufen einfach wie Müll irgendwo im Wald oder im Lager selbst verscharrt worden waren, gingen um die Welt. Vielen war das Ausmaß der nazistischen Unmenschlichkeit erst jetzt bewusst.

Gedenken im Kalten Krieg
1947 entschied das polnische Parlament, auf dem Gebiet des ehemaligen KZs eine Gedenkstätte zu errichten, 1952 gründeten Überlebende des Konzentrationslagers das Auschwitz-Komitee. In Rostock wurde nach der faschistischen Terrorherrschaft europaweit eines der ersten Denkmäler für die Opfer des NS-Regimes gebaut. Das OdF-Denkmal wurde bereits 1946 fertig gestellt. Ursprünglich wurde hier jeden Zweiten Sonntag im September der „Tag der Opfer des Faschismus“ (OdF) begangen. Sehr bald fanden sich aber auch jedes Jahr am 27. Januar tausende Rostockerinnen und Rostocker am Mahnmal ein, um den Opfern zu gedenken und den Verbrechen zu mahnen. In Israel und Großbritannien wurde der 27. Januar bereits 1959 offizieller Gedenktag.


Bild: OdF-Denkmal in Rostock am Rosengarten

Gedenken nach der „Wende“
Am 3. Januar 1996 wurde der 27. Januar durch die Proklamation des Bundespräsidenten Roman Herzog eingeführt. Seitdem ist er offizieller Gedenktag in der Bundesrepublik. Auch heute finden noch jeden 27. Januar in Mecklenburg-Vorpommern statt. Am 1. November 2005, 60 Jahre nach dem Ende des Schreckens, erklärte die Generalversammlung der Vereinten Nationen den 27. Januar in einer Resolution ebenfalls offiziell zum internationalen Holocaust-Gedenktag.

„Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“

Roman Herzog in seiner Proklamation zum 27.Januar



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